Evangelische Paul-Gerhardt-Gemeinde 
 Wiesbaden 

 Zuhause sein, wo Christus zu Hause ist


In der Corona-Krise: Pastors Brief 3


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Mitten in der Krise getrost oder getröstet zu sein, scheint auf jeden Fall erstrebenswert. Und es gibt ja nicht nur die Coronakrise …

Pastors Brief 3

Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! / Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, / mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, / so wirst du schon erblicken die Sonn‘ der schönsten Freud.

Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, / lass fahren, was das Herze betrübt und traurig macht; / bist du doch nicht Regente, der alles führen soll, / Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.

EG 361, 6+7

Von Gott geliebte Menschen der Paul-Gerhardt-Gemeinde! Durch diese Passionszeit (es ist doch ein bedenkenswerter Zusammenhang zwischen der Krisenzeit mit dem Virus und der Kirchenjahreszeit) begleitet mich in meiner täglichen Gebetszeit aus mancherlei Gründen in diesem Jahr das 1653 veröffentlichte Trostlied „Befiehl du deine Wege“ von Paul Gerhardt. (EG 361). Es handelt sich um ein in der literarischen Form des Leistengedichts geschaffenes Lied. Die jeweils ersten Worte der Strophen ergeben untereinander gelesen einen Satz; nämlich hier Psalm 37,5.

Mitten in der Krise getrost oder getröstet zu sein, scheint auf jeden Fall erstrebenswert. Und es gibt ja nicht nur die Coronakrise, - auch wenn sie seit Wochen anhaltend das gefühlt einzige Thema in den Medien und den Gesprächen untereinander zu sein scheint. Jede/r hat zusätzlich ja sein ganz persönliches Leid zu tragen: Etwa den Verlust eines geliebten Menschen, eine schwere Erkrankung, die Mühen am Arbeitsplatz, den Streit in der Familie, das Zerbrechen einer Freundschaft, die Tiefen der eigenen Christusnachfolge, die eben nicht nur Höhen kennt … Solches alles konfrontiert uns individuell mit einer ungewissen, weil veränderten Zukunft. Die außergewöhnlichen äußeren Umstände durch die Pandemie steigern das eigene Leid dann nur noch mal. Selbst die Macher unter uns können der Hoffnungslosigkeit anheimfallen.

Trost kommt aus Hoffnung. So verbreiten die verantwortlichen Politiker in großer Zahl, die Hoffnung, durch die getroffenen Beschränkungen des öffentlichen Lebens die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und somit allen, die schwer daran erkranken, optimale Hilfe zukommen lassen zu können. Es bleibt allerdings letztlich eine Ungewissheit: „Werden wir es schaffen?“ Der Mensch, auf sich selbst angewiesen, stößt an die Grenzen der Machbarkeit und der Vorhersehbarkeit.

In den Nachkriegsjahren nach dem Dreissigjährigen Krieg schöpft Paul Gerhardt aus der frischen Quelle des Psalms 37. Lebendiges Wort Gottes, das wohltut. Gott hat und kennt noch andere Wege als uns einfallen. Seine Gnade erschöpft sich nicht. ER weiß einen Ausweg aus der Dunkelheit meines Kummers, wie immer dieser Kummer aussehen mag.

Paul Gerhardt fordert auf zu aktivem Warten. Er sagt nicht, ‚warte mal ab, es kommt die Zeit, wo Gott handelt‘. Paul Gerhardt rät “er-warte“ IHN, richte deine ganze Anspannung auf die Gnade Gottes. Seine Zeit zum Handeln kommt. Gott will, dass du aus deiner gegenwärtigen Dunkelheit ins Sonnenlicht Seiner Gnade trittst.

Gibt es eine größere Freude, als die Nähe eines geliebten Menschen zu erwarten? Gott spürt diese Freude, wenn ER an Dich denkt. Bevor Du aus Deiner Krise heraustrittst, löst ER schon alle möglichen Dinge aus, dass es Dir zuletzt wohlgehen wird. ER regiert diese Welt und das Weltall in seiner Weite und Tiefe. Seine Herrschaft ist atemberaubend groß. Und Du kommst darin vor. Dein Schmerz, deine Sorge, ist bei IHM wohlbekannt. Gott weiß, was Dich betrübt. ER weiß um Deine Traurigkeit. Lass Deine Betrübnis in seine Hände gleiten. Rechne mit IHM. Er-warte IHN. Blicke auf Seine Regierungsverantwortung, lass Dich nicht entmutigen. Er weiß auch hier und auch für Dich wunderbaren Rat.

Ich empfinde es als tröstlich, dass ich nicht abwarten muss, sondern erwartungsvoll mit dem HERRN durch meine Dunkelheit gehen kann. Ich bleibe getröstet. Ich spüre Seine Hand. Wir laufen Hand in Hand. Und da vorne, bald, wird warmes Sonnenlicht aufscheinen. Die Nacht wird enden. Nicht weil ich das sage, sondern weil ER das sagt. Sein Wort ist und bleibt wahr und gewiss.

So seid gesegnet, bleibt behüte und lasst Euch vom HERRN trösten!

Euer Pfarrer Friedrich Wilhelm Bieneck