Evangelische Paul-Gerhardt-Gemeinde 
 Wiesbaden 

 Zuhause sein, wo Christus zu Hause ist


In der Corona-Krise: Pastors Brief 6


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Jesus spricht: „Glaubt an das Licht, solange ihr das Licht habt, damit ihr zu Menschen des Lichts werdet.“
(Johannes 12, 36)

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

(Dietrich Bonhoeffer)

– Pastors Brief 6 –

Von Gott geliebte Menschen der Paul-Gerhardt-Gemeinde,

seit sieben Wochen nun versuchen wir Menschen uns, unter den Bedingungen des Lebens unter Covid-19 zurecht zu finden. Es gelingt offensichtlich ganz gut. Es kostet aber auch viel. Auf vieles ist zu verzichten. Das ist je nach Typ und Lebensumständen mal mehr und mal weniger schmerzhaft. Ich zähle die Einschränkungen hier nicht erneut auf. Das geschieht allenthalben genug. Aber in dieser Zeit ist auch Neues entstanden, Dinge, die es davor nicht gab. Eine neue Nähe über die Distanz (Social distancing) wurde gefunden.

Menschen werden wunderbar erfinderisch füreinander in dieser Zeit.

Der ehemalige italienische Fußballstar Luca Toni z.B. liefert Pizza für die Einsatzkräfte der Rettungsleitzentrale in seiner Heimatstadt Modena.

Das Nachbarschaftsnetzwerk „nebenan.de“ hat mit der Corona-Hilfsaktion „Kauf nebenan!“ mehr als 1,2 Millionen Euro für bedrohte Kleingewerbe und Selbstständige gesammelt. Mehr als die Hälfte davon stammt von Privatpersonen.

Der Starpianist Igor Levit macht Hauskonzerte und stellt sie ins Netz. Sein Anliegen ist es, Mut zu machen gegen die Einsamkeit.

In Hamburg können obdachlose Menschen während der Corona-Pandemie in einem Schwimmbad duschen. Das Hallenbad St. Pauli am Millerntor ist wegen der Corona-Krise eigentlich gerade geschlossen, öffnet nun aber montags, mittwochs und samstags jeweils von 10 bis 14 Uhr. Um Infektionen zu vermeiden, werden Menschen nur einzeln eingelassen.

Der 82-jährige Alfred Schroeter spielt täglich für seine schwerkranke Frau Trompete. Die 83-Jährige ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und liegt auf der Palliativstation des St.-Josef-Krankenhauses in Moers. Seit 59 Jahren ist das Paar verheiratet. Alfred Schroeter darf seine Frau Edelgard wegen strenger Besuchsregeln aufgrund der Corona-Pandemie nur eine Stunde am Tag besuchen. Nach dieser Zeit spielt er jedoch täglich vom Klinikgarten aus für sie (und für die Ohren aller übrigen Patient-innen) verschiedene Choräle oder Volkslieder.

Auch hier vor Ort werden einsame Menschen regelmäßig angerufen, werden herrlich, humorvolle Balkonlieder gedichtet und zur Aufführung gebracht, Grußkarten für ein Seniorenheim geschrieben oder von Kindern gemalt, Einkäufe für Nachbarn getätigt und manches mehr.

Menschen werden für andere Menschen zum Licht. Das ist wunderbar. Es bedarf dazu nicht des christlichen Glaubens. Aber das Vertrauen auf die Kraft des auferstandenen Jesus verleiht eine wundervoll helle Gewissheit in aller Ungewissheit dieser Tage. Jesus Christus hat einen hellen Schein in unser Herz gegeben. Die Nächte meines Lebens sind in das warme Licht des Evangeliums getaucht. Das Dunkel meines Lebens wird beschienen von der Barmherzigkeit Gottes in Christus Jesus. Gott ist so bezaubernd nah. Ich blicke weg von den Nöten und hin zu Jesus, seiner Macht, seinem Werk der Versöhnung, seinem Reich, seinem Kommen, seiner Liebe, seiner Zusage, bei mir und bei Dir zu sein an allen Tagen.

Und in der Gegenwart des Auferstandenen, im Zusammensein mit Jesus erfüllt mich eine stille Freude über die Gemeinschaft mit Euch, den Brüdern und Schwestern im Leib Christi.

Euer Pastor
Friedrich Wilhelm Bieneck